Explainer

Fonds für eine Kultur der Solidarität: Demokratische Resilienz in Europa stärken

Die Wahlen zum Europäischen Parlament 2024 sind ein entscheidender Test für Demokratie und internationale Zusammenarbeit. Der Culture of Solidarity Fund, kofinanziert von der European Cultural Foundation, der Allianz Foundation, der Evens Foundation und Partnern, unterstützt in diesem Jahr aktiv …

Person wearing EU pullover with their head turned to the sky
© Unsplash/ Henri Lajarrige Lombard

Über

Culture of Solidarity Fund

Wähler*innen mobilisieren

Im Jahr 2024 bereiten sich mehr als 40 % der Weltbevölkerung auf die Wahl neuer Parlamente und Staatsoberhäupter vor. Dieses Schlüsselereignis verändert nicht nur die geopolitische Landschaft, sondern stellt auch die europäischen Demokratien und die Kultur des offenen, transnationalen öffentlichen Diskurses auf eine harte Probe.

Vor diesem Hintergrund unterstützen die European Cultural Foundation, die Allianz Foundation, die Evens Foundation und ihre Partner im Rahmen der 11. Ausgabe des Culture of Solidarity Fund aktiv europäische transnationale Initiativen, die Wähler*innen für die Wahlen zum Europäischen Parlament mobilisieren.

Extremismus und Populismus sind eine unmittelbare Herausforderung für die europäische Integration — und machen deutlich, wie wichtig es ist, dass demokratische Kräfte vereint für eine demokratische europäische Zukunft eintreten. Eine Kultur der Solidarität unter den Europäer*innen zu fördern ist entscheidend, um Polarisierung entgegenzuwirken und dem Gefühl der Entmündigung zu begegnen. Das Erstarken kultureller Stimmungen, die Ausgrenzung und Polarisierung begünstigen, bedroht zentrale Werte wie Vielfalt, friedliche Zusammenarbeit und Konsensbildung im demokratischen Diskurs. Die Ergebnisse der anstehenden Wahlen werden zeigen, ob die europäischen Gesellschaften die Widerstandskraft haben, eine Kultur der Solidarität zu bewahren und zu stärken — oder ob sie spaltenden Kräften und gewaltsamen Auseinandersetzungen erliegen.

Europäische Solidarität fördern

In seiner aktuellen Ausgabe hat der Culture of Solidarity Fund eine Reihe von Initiativen in ganz Europa identifiziert, die sich bei der Förderung demokratischer Teilhabe und öffentlichen Engagements auf verschiedenen Ebenen bewährt haben. Diese Initiativen haben ihre Arbeit in Vorbereitung auf die Europawahlen intensiviert, brauchen aber zusätzliche Unterstützung, um ihre Wirkung zu maximieren.

Bis März 2024 hat die Democracy Resilience Edition des Culture of Solidarity Fund bereits erste Zuschüsse und Soforthilfen an Initiativen in ganz Europa vergeben. Diese Zuschüsse sollen das öffentliche Profil dieser Initiativen schärfen — denn die europäischen Demokratien und der soziale Zusammenhalt sind zunehmend bedroht. Der Fonds wird ausgewählte Solidaritätsinitiativen und Kampagnen für kulturelle Demokratie bis zu den Wahlen zum Europäischen Parlament — und möglicherweise darüber hinaus — weiter kofinanzieren. Das unterstreicht, wie dringend sich weitere Stiftungen an den europäischen Solidaritätsbemühungen beteiligen sollten.

Überblick über die geförderten Projekte

Logo of Fine Acts
© Fine Acts

Fine Acts

Fine Acts wird im Rahmen seiner Initiative „Europa Canvas“ eine kuratierte Sammlung von 27 visuellen Kunstwerken von Künstler*innen aus allen EU-Mitgliedstaaten präsentieren. Ziel ist es, die Wahlbeteiligung in ganz Europa zu erhöhen, besonders mit Blick auf die anstehenden Europawahlen. Das Projekt beginnt mit einer vielfältigen Auswahl von Kunstwerken und soll zu einem umfassenden Aktivierungsinstrument ausgebaut werden. Mit einem Portfolio hochwertiger, offen lizenzierter visueller Werke ermöglicht die Kampagne die freie, nicht-kommerzielle Verbreitung und Anpassung dieser Kunstwerke. Alle Werke werden offen lizenziert, sodass jede*r sie nutzen kann, um die Botschaft europäischer Einheit, bürgerschaftlichen Engagements und der Bedeutung des Wählens zu verbreiten.

A group of people holding up signs in front of a sign saying "Wschód"
© Fundacja Inicjatywa Wschód

Fundacja Inicjatywa Wschód

Wschód, angeführt von der Fundacja Inicjatywa Wschód, widmet sich dem Kampf gegen rechtsextreme Bewegungen in Polen und ganz Europa. Im Zentrum steht die Mobilisierung von Frauen und marginalisierten Gruppen zur Stimmabgabe. Mit Blick auf die Wahlen zum Europäischen Parlament umfasst der strategische Ansatz Social-Media-Plattformen, Versammlungen und gezielte Aktionen. Das Projekt stärkt Frauen, junge Menschen und progressive Wähler*innen darin, für Grundrechte einzutreten und eine solidarische Gesellschaft zu fördern. Mit einer Mischung aus sozialen Medien, klassischen Kanälen und bisherigen Erfolgen verspricht es große Wirkung. Zudem plant das Projekt, seine feministische Taskforce auszubauen, neue Regionen zu erreichen und dauerhafte Netzwerke aufzubauen.

© MamPrawoWiedziec.pl

MamPrawoWiedziec.pl

„MamPrawoWiedziec.pl — Entering the European Parliament“ ist ein Projekt, das die Kluft zwischen Polen und der EU überbrücken soll. Hauptziel ist es, junge Bürger*innen mit der EU-Governance und ihren konkreten Auswirkungen auf das tägliche Leben vertraut zu machen. Im Wissen um die zentrale Rolle der Mobilisierung junger Wähler*innen betont das Projekt, wie wichtig das Bewusstsein für die europäische Gemeinschaft ist. MamPrawoWiedziec.pl ist auf mehreren Plattformen aktiv, darunter TikTok und die eigene Website, und will faktenbasierte, meinungsfreie Inhalte bereitstellen. In verständlicher Sprache, frei von juristischem und politischem Jargon, erklärt das Projekt das Innenleben demokratischer Institutionen — auch für Menschen, die mit solchen Konzepten nicht vertraut sind.

Logo of the Good Lobby
© The Good Lobby

The Good Lobby

The Good Lobby startet eine Reihe wirkungsvoller Initiativen unter dem Banner „The Good Lobby Seminars“. Mit einer Reihe von Webinaren und öffentlich zugänglichen Toolkits will die Organisation Bürger*innen, Zivilgesellschaft und Partner dazu befähigen, den kommenden EU-Politikzyklus nach den Wahlen aktiv mitzugestalten. Die Webinare — ergänzt durch Bildungsmaterialien in den sozialen Medien — sollen das Bewusstsein für die Bedeutung der Wahlen zum Europäischen Parlament schärfen und Strategien vermitteln, um die EU-Politik nach den Wahlen zu beeinflussen.

Four people dressed in court robes looking into the camera
© Les Têtes de l'Art

Les Têtes de l'Art

Les Têtes de l'Art präsentiert „L'Europe à la barre“, einen Scheinprozess, der in der französischen Theaterwelt Anerkennung und Wirkung gefunden hat. Im Zentrum steht die Idee, das Theater als besondere Plattform zu nutzen, um das Publikum auf unkonventionelle Weise in Gespräche über Europa zu verwickeln. Mit „L'Europe à la barre“ will Les Têtes de l'Art die Kluft zwischen europäischen Themen und einem Publikum überbrücken, das sich davon abgekoppelt fühlt — gerade mit Blick auf die nahenden Europawahlen. Die Zielgruppen sind vor allem Erstwähler*innen und Menschen mit geringem Interesse an europäischen Angelegenheiten, denen die Relevanz dieser Themen für ihr tägliches Leben deutlich werden soll. Zudem soll das Projekt seine Wirkung durch stärkere Medienberichterstattung in den Zielregionen verstärken und lokale Vereine und Akteure befähigen, die Diskussion über europäische Themen zu erweitern.

© European Youth Parliament

Europäisches Jugendparlament

Das Europäische Jugendparlament organisiert „EYE Berlin“, das rund 1.700 junge Menschen aus ganz Europa zusammenbringt, um gemeinsam Europa zu erkunden und zu erleben, sich zu engagieren und einander zu stärken. Vom 18. bis 20. April 2024 zeigt das Programm die vielfältige Landschaft von Jugend- und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf dem Kontinent und bietet reichlich Gelegenheit zu Vernetzung und Diskussion. EYE Berlin umfasst Workshops, Debatten und Trainings unterschiedlicher Größe, aber auch eigene Räume für Networking und kulturellen Austausch. Die Veranstaltung gipfelt im „EYE Berlin's Youth Ideas Report“, der dem Europäischen Parlament und allen lokalen und europäischen NGO-Partnern übergeben wird — damit die Prioritäten der Jugend während und nach den Wahlen Gehör finden.

Logo of Our Rule of Law
© Our Rule of Law

Our Rule of Law

Vote4OurRuleofLaw hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Wähler*innen zu stärken, indem es die Auswirkungen von EU-Entscheidungen auf ihr Leben sichtbar macht. Im Zentrum dieser Mission steht das Vote4OurRuleofLaw-Stipendium, eine Initiative zur aktiven Beteiligung junger Europäer*innen an den Wahlen zum Europäischen Parlament. Mit dem Ziel, die Wahlbeteiligung auf das Niveau nationaler Wahlen zu heben, ist das Programm strategisch darauf ausgerichtet, junge Wähler*innen zu erreichen und zu informieren. Es hilft Erstwähler*innen, die Rolle der EU und die Bedeutung einer informierten Stimmabgabe zu verstehen — und schafft so eine sachkundige Wähler*innenschaft.

Logo of Unhack Democracy
© Unhack Democracy

Unhack Democracy

Unhack Democracy hat ein Projekt gestartet, das die Integrität der Wahlen schützen und der Wahlmüdigkeit in Ungarn entgegenwirken soll. Hauptziel des Projekts „Protecting Electoral Integrity and Countering Voter Apathy in Hungary“ ist es, die Toleranz der ungarischen Wählerschaft gegenüber Missbräuchen am Wahltag zu verringern — vor allem Stimmenkauf und Nötigung. Unhack Democracy will das Bewusstsein der Wähler*innen für die am Wahltag häufigen Unregelmäßigkeiten schärfen und zugleich über den entscheidenden Zusammenhang von Wahlintegrität und Rechtsstaatlichkeit aufklären. So soll der verbreiteten Wahlmüdigkeit begegnet und Wissen vermittelt werden, wie sich Wahlbetrug wirksam bekämpfen lässt — besonders rund um die Wahlen zum Europäischen Parlament.

© Palumba EU

Palumba EU

Mit dem Projekt „Voting Advice Application“ leistet Palumba Pionierarbeit für ein Instrument, das junge Erstwähler*innen bei den Wahlen zum Europäischen Parlament stärken soll. Die von der Associació Juvenil Palumba EU entwickelte App wird EU-weit in den jeweiligen Landessprachen verfügbar sein und liefert leicht verständlichen Kontext zu den Debatten in Brüssel. Die Voting Advice Application ist ein vielseitiges Werkzeug, das unterschiedlichste Kampagnen zur Aktivierung junger Wähler*innen unterstützen kann. Palumba arbeitet mit zahlreichen Jugendorganisationen und Content Creators zusammen, um Aktivierungsveranstaltungen verschiedener Art zu organisieren. Damit will Palumba die Stimmen junger Bürger*innen stärken und sie in die Lage versetzen, die Zukunft der europäischen Demokratie mitzugestalten.

Logo of We Move Europe
© We Move Europe

We Move Europe & OPEN

Das Projekt „Get Out the Vote“ will Wähler*innen in ganz Europa strategisch mobilisieren — mit dem Fokus auf höherer Beteiligung an den Europawahlen, besonders unter jungen Menschen. Über das umfangreiche Netzwerk zivilgesellschaftlicher Gruppen greift die Initiative drängende Themen wie den Klimawandel auf und verstärkt Stimmen, die sich für progressiven Wandel einsetzen. Die Kernstrategie: maßgeschneiderte Botschaften, Koalitionsbildung und gezielte Ansprache. Indem die Kommunikation auf verschiedene Communities zugeschnitten wird, will das Projekt dem Aufstieg rechtsextremer Ideologien entgegenwirken und eine inklusivere, nachhaltigere Vision für Europa fördern. So soll nicht nur die Wahlbeteiligung steigen, sondern auch bürgerschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe insgesamt. Verwurzelt in Grassroots-Aktivismus und digitaler Innovation gestaltet das Projekt die Zukunft Europas gemeinsam.

Illustration of a person wearing a EU sweater covered in small tractors
© Joep Bertrams

European Without Borders & Cartooning for Peace

„Caricartoons“ ist eine Initiative zur Produktion und Verbreitung von Kurzvideos auf Basis von Pressekarikaturen professioneller Karikaturist*innen. Unter der Leitung von European Without Borders und in Zusammenarbeit mit Cartooning for Peace verbindet „Caricartoons“ künstlerischen Ausdruck mit gesellschaftspolitischem Kommentar. Das Projekt umfasst die Videokampagne „Around the European Elections“ im Juni 2024. „Caricartoons“ zeigt das Talent renommierter Pressekarikaturist*innen aus ganz Europa, alle Mitglieder der Vereinigung Cartooning for Peace. Damit will das Projekt sein Publikum erreichen, indem es klassische Pressekarikaturen in dynamische, zugängliche Videoinhalte verwandelt.

Sitting bird made out of pink fabric
© Norberg Hall

Deichtorhallen Hamburg

Die Deichtorhallen Hamburg stellen „The School of Survival“ vor — einen festen Bestandteil der Ausstellung „Survival in the 21st Century“ mit über 40 internationalen Künstler*innen. Die Initiative dient als experimenteller Lernraum und Prototyp einer neuen Institution, die Theorie und Praxis nahtlos verbindet, um die drängenden Herausforderungen unserer Zeit anzugehen. Als Teil der Ausstellung, die von Mai bis November 2024 läuft, bietet „The School of Survival“ eine Plattform für vertiefte Reflexion über Gegenwartsfragen. Durch die Kunst eröffnet sie besondere Einsichten und fördert ein kollaboratives Umfeld, in dem sich Wissen und Kreativität überschneiden. Die Schule steht allen offen und ist kostenlos; sie richtet sich besonders an verschiedene Communities — Schulkinder, Landwirtschafts- und Fischereigruppen, kulinarisch Interessierte, Wissenschaft und marginalisierte Gruppen in Hamburg.

Logo of Pop the Vote
© Pop the Vote

Culture Action Europe

Culture Action Europe integriert eine Gruppe von Pop the Vote!-Changemakern in seine regulären Aktivitäten — über das Projekt „Changemaker Takeover: Malmö Edition“, das auf der Konferenz „Beyond the Obvious“ vom 29. Mai bis 1. Juni 2024 in Malmö, Schweden, startet. Hervorgegangen aus der Initiative „Pop the Vote! Culture on the Ballot“, befähigt dieses Projekt junge Künstler*innen, Kunststudierende und Kulturschaffende in 14 EU-Ländern, für die Wahlen zum Europäischen Parlament zu mobilisieren. Nach einem einwöchigen Intensivtraining im Februar beteiligen sich 44 junge Menschen an den breiteren Aktivitäten von Culture Action Europe und nehmen aktiv an der Konferenz teil, um Advocacy-Ziele voranzubringen, den Dialog zwischen den Generationen zu fördern und die Lernerfahrungen der Teilnehmenden zu bereichern.

Förderpartner

European Cultural Foundation

Die European Cultural Foundation (ECF) wurde 1954 gegründet — mit der Vision eines geeinten Europas, dessen Bürger*innen sich mit Stolz als Europäer*innen fühlen; eines Ortes, an dem sie in Vielfalt und Harmonie frei leben, sich ausdrücken, arbeiten und träumen können. Seither fördert die ECF ein europäisches Bewusstsein, indem sie kulturelle Initiativen entwickelt und unterstützt, die Europa teilen, erleben und imaginieren lassen. Wir halten unsere Mission für so dringlich wie damals: Noch immer teilen viele Herausforderungen Europa, polarisieren und erzeugen Ungleichheit. Kultur kann hier eine wichtige Rolle spielen — Gräben überbrücken, Menschen zusammenbringen, neue Wege öffnen, Möglichkeiten finden und erdenken. Wir sind eine engagierte, ambitionierte, vielfältige und offene internationale Stiftung mit starkem Netzwerk und langjährigem Renommee, die partnerschaftlich mit Akteur*innen in ganz Europa arbeitet.

Evens Foundation

An der Schnittstelle von Kunst, Demokratie, Bildung, Medien und Wissenschaft erkunden die Initiativen der Evens Foundation innovative Ansätze für ein Zusammenleben, das die Vielfalt menschlicher Geschichten, Kulturen und Erfahrungen anerkennt. Die 1990 von Irène Evens-Radzyminska und Georges Evens gegründete Stiftung entstand aus ihrem Engagement für das europäische Projekt, geprägt durch ihre unmittelbaren Erfahrungen mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Polen. Mit Büros in Antwerpen, Paris und Warschau setzt sich die Evens Foundation für Verständigung und Zusammenarbeit in ganz Europa ein.

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