

Was es braucht, um bei Stromausfällen, Sirenen und Kälte Theater zu machen.
Eine Erinnerung des Nafta-Ensembles
Das Stück „Train 723“ vereint Erfahrungsberichte von Bahnmitarbeiter*innen und Fahrgästen, die den Alltag, die Arbeit und die emotionale Verbundenheit mit der Ukrainischen Eisenbahn widerspiegeln.
Das in Charkiw ansässige Nafta-Theater hat das Stück als ein Kaleidoskop verschiedener Perspektiven inszeniert. Es verbindet Bewegung, Umbrüche und Unsicherheit mit der Rolle der Eisenbahn bei der Gestaltung von Reisen quer durch das Land.

Es begann mit einem Roadtrip
Das Projekt begann mit Recherchen und einer Reise außerhalb des Probenraums. Dazu gehörten Fahrten zu verschiedenen Orten, darunter auch die Heimatstadt des Regisseurs. Treffen mit einem lokalen Historiker und Besuche am Bahnhof trugen dazu bei, Material für das Stück zu sammeln. Schon diese Anfangsphase barg ihre eigenen Herausforderungen: Vereiste Straßen und lange Fahrten erforderten ständige Konzentration.
Energie und Infrastruktur
Strom war keine Selbstverständlichkeit. Manche Räume hatten zwar Licht, aber keine Heizung; andere waren zwar beheizt, hatten aber keinen Strom. Wo Generatoren zum Einsatz kamen, mussten diese manuell gewartet werden. Technische Vorbereitungen wurden Teil des Alltags und konnten nicht vom Probenprozess getrennt werden.



Kalte Orte
Die Proberäume waren oft nur vorübergehend nutzbar und änderten sich kurzfristig, wenn der Strom ausfiel, die Temperaturen sanken oder Gebäude unbenutzbar wurden. Das bedeutete ständiges Wechseln zwischen verschiedenen Orten. In den kältesten Wochen sanken die Innentemperaturen auf etwa +5 °C. Die Rohre froren ein. Es gab weder Heizung noch fließendes Wasser, und die Proben richteten sich eher nach der körperlichen Ausdauer als nach festgelegten Zeitplänen.
Unterbrechungen und Zeitdruck
Das Fotoshooting für das Plakat fand in der Nähe des Bahnhofs statt und musste immer wieder pausiert werden. Luftschutzsirenen unterbrachen den Ablauf in kurze, unvorhersehbare Zeitabschnitte, die sofortige Evakuierungen erzwangen und die Arbeit zum Erliegen brachten. Das ausgewählte Bild entstand in einem dieser kurzen Zeitfenster, wenige Minuten vor einer weiteren Unterbrechung, sodass kein Spielraum für Wiederholungen, Nachbesserungen oder Umdenken blieb. Jede Entscheidung musste unter Zeitdruck getroffen werden.










Unterstützung
Der Produktionsprozess hing nicht nur von offiziellen Proberäumen ab, sondern auch von informellen Unterstützungsnetzwerken, wie beispielsweise einem Café auf der anderen Straßenseite, das kurzfristig für Wärme, Verpflegung und eine grundlegende Ausstattung sorgte.
Diese Unterstützung war zwar nicht Teil des Produktionsplans, wurde jedoch für die Fortsetzung des Projekts unverzichtbar.
Wasserschaden
Als der Winter zu Ende ging, drang angesammeltes Schmelzwasser in den Hauptsaal ein. Die Bühne und der Backstage-Bereich wurden überflutet, wodurch Teile des Fußbodens beschädigt wurden. Am Tag der Premiere trat erneut Wasser ein und breitete sich im Zuschauerraum aus.
Das Ensemble ging die Situation direkt an, räumte Materialien beiseite und beseitigte das Wasser von Hand. Trotz wiederholter Unterbrechungen durch Kälte, Stromausfälle, Umsiedlungen und Überschwemmungen wurde die Arbeit nicht eingestellt. Es wurden ständig Anpassungen vorgenommen, oft ohne die Gewissheit, dass sich die Bedingungen verbessern würden.
Die Premiere
Trotz anhaltender Herausforderungen fand die Premiere vor ausverkauftem Haus statt und setzte damit das Ziel von Nafta fort, junge Künstler*innen und Regisseur*innen in Charkiw zu fördern, damit diese ihre Visionen entwickeln und verwirklichen können.

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Vavara Art, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Chekal Petro, Nafta Theatre

Photo: Vavara Art, Nafta Theatre







