Autostrada Biennale: Unser Hub in Prizren

Autostrada Biennale wurde als Nichtregierungsorganisation in Prizren, Kosovo, gegründet. Sie spielt eine Schlüsselrolle beim Begreifen der heutigen Gesellschaft durch Mittel der zeitgenössischen Kunst, stärkt die lokalen Communities und regt das kreative Nachdenken über eine inklusive und nachhaltige Zukunft an.

Streams of blue fabric by Hera Büyüktaşciya runs down a hill near Prizren

Streams of blue fabric by Hera Büyüktaşciya © Tuğhan Anıt / Autostrada Biennale, 2021

“Wir betrachten Kunst als eine Form der Entmilitarisierung, als eine Sprache die zwischen unterschiedlichen Standpunkten, Missverständnissen oder Brüchigkeiten vermitteln kann. Als Hilfe zu Koexistenz und Kooperation.”
Leutrim Fishekqiu - Team Autostrada Hangar
sunflower fields Agnes Denes – a heroine of the land art movement – planted in the heart of Kosovo's capital Prishtina. Many flowers in front of monumental building.

Sunflower fields by Agnes Denes © Tuğhan Anıt / Autostrada Biennale, 2021

Allianz Foundation Hubs sind ein europäisches Netzwerk regionaler Plattformen aus Kultur, Zivilgesellschaft und Klimaschutz, die an Lösungen zu den drängenden Fragen unserer Zeit arbeiten. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, braucht es neue Wege des Austauschs und der Zusammenarbeit. Und eine gemeinsame Vision. 

Was ist eure Mission?

"Unser Hauptziel ist es, Kunst für alle zugänglich zu machen: für normale Menschen in ihren alltäglichen Gewohnheiten, ihren Lebens- und Arbeitsroutinen. Für uns bedeutet dies, unser Programm für verschiedenste Gemeinschaften zu öffnen, die sich bisher nicht als Teil der Diskussion über Kunst empfunden haben. Wir möchten Räume der Imagination und der Evozierung schaffen. Deshalb setzen wir uns für Kunst im öffentlichen Raum ein. Kunst, die Menschen außerhalb etablierter Institutionen wie Museen oder Galerien begegnet. Indem wir in "gewöhnlichen" öffentlichen Räumen ausstellen, die uns allen gehören, bringen wir Kunst zu den Menschen und nicht Menschen zur Kunst.

Unser Ziel ist es, neue Modelle der kulturellen Produktion zu entwickeln, die junge Generationen ermutigen, Teil des Prozesses zur Herstellung und Installation von Kunstwerken sowie des kritischen Denkens durch Kunst zu werden. Als Autostrada haben wir neue Ausstellungsräume, informelle Bildungsangebote, Diskussionen und Reflexionen ermöglicht – und damit ein Gefühl für die Bedeutung von Meinungsfreiheit, kulturellem Austausch, kritischem Denken und der Wahrung interkultureller und interethnischer Toleranz angeregt. Unser Ziel ist es damit demokratisches Denken zu fördern. Wir betrachten Kunst als eine Form der Entmilitarisierung, als eine Sprache, die helfen kann, unterschiedliche Standpunkte, Missverständnisse oder Fragilität zu vermitteln und Menschen hilft zusammenzuleben und zu kooperieren.

Die Autostrada Biennale begann 2014 in Prizren, Kosovo. Die erste Biennale wurde 2017 eröffnet. Sie fand in einer Region statt, die von einer langen und tragischen Geschichte von Konflikten, politischen Spannungen und kulturellen Missverständnissen geprägt ist. Kosovo ist eine politische Einheit der Nachkriegszeit, die von der internationalen Gemeinschaft nur teilweise anerkannt wird, ein Teil Europas, in dem verschiedene Ethnien und Religionen Seite an Seite leben. Für uns ist es ein Ort, an dem die Sprache der zeitgenössischen Kunst als eine Form der Gesundung und Resilienz benötigt wird. Darüber hinaus haben wir erkannt, dass es einen Bedarf an mehr kulturellem Austausch sowohl innerhalb des Westbalkans als auch mit der internationalen Gemeinschaft gibt."

Was macht ihr ganz konkret?

"Als einzige Institution für zeitgenössische Kunst in Prizren arbeitet Autostrada Biennale zweigleisig: eine physische Ausstellung, die alle zwei Jahre im öffentlichen Raum stattfindet, und ein neuer Bildungs-, Produktions- und Ausstellungsraum, "Autostrada Hangar", in einer ehemaligen Militärbasis. Mit letzterem haben wir unser Wirken auf eine nachhaltigere Form des Engagements und auf die Bedürfnisse unserer Community ausgeweitet. Wir haben eine ganzjährige Plattform für künstlerische Produktion, Empowerment, Lernen und Austausch geschaffen.

Mit der Biennale und einem Jahresprogramm für Autostrada Hangar wollen wir verschiedene kritische Debatten zu künstlerischen, sozialen, ökologischen und politischen Themen anregen.

Wir könnten viele Beispiele unserer Arbeit nennen. Etwa die Sonnenblumenfelder, die Agnes Denes – eine Heldin der Land-Art-Bewegung – im Herzen der kosovarischen Hauptstadt Pristina und neben unserem Hangar in Prizren gepflanzt hat. Oder die gigantischen Ströme aus blauem Stoff, imaginäre Flüsse, die Hera Büyüktaşciyan durch Prizren fließen ließ. Oder die Phantomnachbildung eines ehemaligen jugoslawischen Denkmals, das Alban Muja im öffentlichen Raum installierte, um die Geschichte seiner Heimatstadt Mitrovica zu hinterfragen."

The hangar of Autostrada biennale. In fron you see an open air meeting spot with tables and benchesr

Wer ist in eurem Team und mit wem arbeitet ihr?

"Autostrada wurde von einem Team junger Menschen gegründet, darunter Künstler*innen, Pädagog*innen und Soziolog*innen, die auch einen internationalen Beirat einberufen haben, um sich mit einem breiteren regionalen und internationalen Netzwerk zu verbinden.

Von Anfang an hat Autostrada Biennale außerdem die multikulturelle Stadt Prizren und ihre Bürger*innen zu einem integralen Bestandteil ihrer Arbeit gemacht. An dem Projekt können alle unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Religion oder kultureller Zugehörigkeit beteiligt sein.

Für jede Ausgabe der Biennale arbeiten wir mit verschiedenen Kurator*innen aus verschiedenen Ländern zusammen. Durch sie sind wir mit verschiedenartigsten Realitäten in der Welt der Kunst und Kultur verbunden und erweitern ständig unser Netzwerk."

Welche Erwartungen habt ihr an die Zusammenarbeit mit dem Allianz Foundation Hubs Netzwerk?

"Wir sind daran interessiert, einen mehrjährigen Aktionsplan für den Wandel in unserer Region zu entwickeln, indem wir unsere Aktivitäten als langfristiger Partner in das Netzwerk der European Hubs integrieren.

Unser Ziel ist es, ein nachhaltiges kulturelles Netzwerk aufzubauen, dass sich an den Werten offener und vielfältiger Gesellschaften orientiert, in denen es keine Grenzen und Ungleichheiten gibt. Wir wollen zusammenarbeiten, uns austauschen und Wissen und Kunst gemeinsam produzieren.

Durch die Zusammenarbeit mit der Allianz Foundation und den Partner-Hubs wollen wir Programme schaffen mit denen wir internationale Partnerschaften rund um unseren künstlerischen, ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Ansatz aufbauen."

Visitors of the Autostrada Biennale assemble in a big room and listen to a speaker © Tuğhan Anıt / Autostrada Biennale, 2021

Visitors of the Autostrada Biennale 2021 © Tuğhan Anıt / Autostrada Biennale, 2021

A wall of a petrol station is used as a display for historical documentation.

Art installation during the Autostrada Biennale 2021 © Tuğhan Anıt / Autostrada Biennale, 2021

A huge art installation is displayed in an empty hangar.

Art installation in Autostrada Hangar during the Biennale 2021© Tuğhan Anıt / Autostrada Biennale, 2021

Streams of blue fabric by Hera Büyüktaşciya runs down a hill near Prizren

Streams of blue fabric by Hera Büyüktaşciya © Tuğhan Anıt / Autostrada Biennale, 2021

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