Fixing what’s broken: Unsere Förderprojekte 2024
Zwölf neue Projekte des diesjährigen Förderprogramms – „Fixing what's broken. Together!“ – sind an den Start gegangen. Hier unterstützen wir gezielt Kooperationsprojekte, die gesellschaftlichen Spaltungen und ökologischen Krisen entgegentreten. Ihre Arbeit steht für Solidarität, Gemeinschaftssinn und Respekt. Lernen Sie die Projekte hier kennen.

Der Call
Die wertvollsten Dinge sind manchmal die zerbrechlichsten: Die dünne Atmosphäre beispielsweise, die uns das Atmen und das Leben auf unserem Planeten ermöglicht – oder die vielfältigen Beziehungen, die wir untereinander, innerhalb und zwischen Gesellschaften und mit unserer Umwelt haben.
Es lastet enormer politischer, technologischer und gesellschaftlicher Druck auf diesen Beziehungen, die von Vertrauen und Fürsorge, Empathie und Respekt getragen sind. Autoritarismus, ideologische Lagerbildung und Diskriminierung, die Ausbeutung planetarer Ressourcen, eine polarisierende Medienumgebung: all das gibt Grund zur Sorge, dass wir Kipppunkte überschreiten – gesellschaftliche wie ökologische. Zuletzt wurden immer mehr Risse zwischen einstigen Verbündeten und innerhalb progressiver Communities sichtbar.
Und dennoch gibt es Anlass zur Hoffnung. Unter zunehmendem Druck haben sich Netzwerke behauptet, sind neue vertrauensvolle Bündnisse entstanden. Genau hier setzt das Förderprogramm der Allianz Foundation an. Mit „Fixing what’s broken. Together!“ unterstützen wir engagierte Akteur*innen aus den Bereichen europäische Zivilgesellschaft, Kunst und Kultur sowie Klima und Umwelt dabei, widerstandsfähige Strukturen aufzubauen, diese zu bewahren und für eine gerechte Zukunft innerhalb unserer planetaren Grenzen zu kämpfen. Denn was zerbrechlich scheint, ist manchmal überraschend robust.
„Wir unterstützen Initiativen, die verhindern, dass Spaltungen in unseren Köpfen zu Spaltungen in unseren Herzen werden. Wir fördern diejenigen, die die Fähigkeiten mitbringen, Auseinanderdriftendes wieder zusammenzuführen.“
Die Projekte

Belgien, Deutschland, Griechenland, Europa
Neue Ansätze für Europas Migrationspolitik
Entscheidungen in der Migrationspolitik werden oft über die Köpfe der Betroffenen hinweg getroffen, während Bewegungen von Selbstbetroffenen ausgeschlossen bleiben. Die Folgen: Kriminalisierung von Migrant*innen, rassistische Politik und paternalistische Ansätze, die Betroffene als machtlos darstellen. Angesichts dieser wachsenden Herausforderungen in der EU-Migrationspolitik haben sich unsere Partner, die Equinox Initiative for Racial Justice, das Greek Forum of Migrants und der International Women* Space, zu einer translokalen Koalition zusammengeschlossen. Diese Koalition mit Sitz in Athen und Berlin sowie mit Anwält*innen in Brüssel setzt sich dafür ein, Migrationspolitik von repressiver Kontrolle hin zu Fürsorge, Schutz und sozialer Unterstützung zu verändern. Mehr über Equinox.

Europa
CORRECTIV.Europe: Kollaborativer Journalismus für lokales Empowerment
Lokaljournalismus ist eine zentrale Säule demokratischer Gesellschaften. Er ist nah an den Lebensrealitäten der Menschen und hilft, abstrakte Krisen greifbar zu machen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Mit CORRECTIV.Europe stärkt unser Förderpartner CORRECTIV diesen Journalismus durch kollaborative, datengetriebene Recherchen, Vernetzung und Weiterbildungen. Ziel ist der Aufbau eines nachhaltigen Netzwerks für Lokalmedien und Lokaljournalist*innen, dass datenbasierte Recherchen europaweit fördert und umsetzt. Inhaltlich schließt das Projekt eine Lücke in der Berichterstattung über grenzübergreifende Themen mit konkreten lokalen Auswirkungen. Mehr über CORRECTIV.

Italien und Malta
IRPI: Investigativer Journalismus im Mittelmeerraum
Marginalisierten Communities in Italien und Malta fehlt oft der Zugang zu qualitativ hochwertiger und innovativer Berichterstattung. Zudem werden sie vermehrt zur Zielscheibe für organisiertes Verbrechen. Da vielen das Wissen über die eigenen Rechte fehlt, werden sie zum Beispiel leichter Opfer von Ausbeutung. Unser Förderprojekt, initiiert vom Investigative Reporting Project Italy (IRPI) und der Daphne Caruana Galizia Foundation, zielt darauf ab, die Präsenz, Qualität und Inklusivität von investigativem Journalismus im Mittelmeerraum zu stärken, indem ein formelles Nachrichten-Netzwerk zwischen Italien und Malta aufgebaut wird. Mehr über IRPI.
„Wir stärken den Qualitätsjournalismus und identifizieren gemeinsame Themen verschiedener Gemeinschaften in ganz Europa und darüber hinaus. So tragen wir zu einer aufgeklärten und starken Zivilgesellschaft mit informierten und engagierten Bürger*innen bei.“

Italien
Teatringestazione: Theater für Häftlinge und deren Kinder
Neapel (Italien) hat mitunter die schlechtesten Haftbedingungen Südeuropas. Marginalisierung und soziale Vernachlässigung führen zu kriminellem Verhalten und hohen Suizidraten. Gefängnisse bieten einen direkten Einblick in das aktuelle Gesellschaftsverständnis: Derzeit setzt das System auf sicherheitspolitische statt auf soziale Gerechtigkeit, was wirtschaftliche und soziale Ungleichheit ignoriert. Teatringestazione stellt sich diesen Herausforderungen in Form von Theaterpädagogik und -produktion für erwachsene Gefangene und ihre jugendlichen Kinder. Es nutzt die transformative Kraft der Kunst, um Beziehungen zwischen Eltern, Kindern, Gesellschaft und Gefangenen zu erneuern. Mehr über Teatringestazione.

Belgien, Niederlande, Europa
Sicherheit für Journalist*innen in Zeiten von Big Tech
Unabhängiger Journalismus und Medienpluralismus leiden zunehmend unter den negativen Folgen digitaler Technologien. Big-Tech-Geschäftsmodelle verstärken verkürzte Inhalte und Desinformation, während sie gleichzeitig die Finanzierung von Qualitätsjournalismus erschweren. Journalist*innen sind zudem von Überwachung durch Spionagesoftware und Angriffen auf Technologien zum Schutz der Privatsphäre bedroht, die ihre Arbeit und Quellen absichern sollen. Das Förderprojekt, geleitet von European Digital Rights (EDRi), dem European Center for Not-for-Profit Law (ECNL) und Lighthouse Reports, stärkt Partnerschaften zivilgesellschaftlicher Organisationen, um Journalist*innen und ihre Quellen vor Überwachung zu schützen. Mehr über EDRi.

Palästinensische Gebiete
Wonder Cabinet: Vom Privatland zu öffentlichem Raum
Die Bevölkerung in den palästinensischen Gebieten leidet unter einem gravierenden Mangel an öffentlichen Räumen und eingeschränktem Zugang zu ökologisch nachhaltigen Praktiken. Sie ist unter anderem sozial zersplittert und ist mit Mobilitätsbeschränkungen sowie militärischer Besatzung konfrontiert. Als Reaktion darauf hat Wonder Cabinet in Zusammenarbeit mit Sakiya einen einjährigen Zyklus von Residencies und Bildungsprogrammen gestartet. Die Initiativen sollen erkunden, wie Kulturorganisationen unter diesen Bedingungen nachhaltige künstlerische und soziale Entwicklungen fördern können und finden ihren Höhepunkt in der Errichtung eines großen öffentlichen Skulpturenparks in den Palästinensischen Gebieten. Mehr über Wonder Cabinet.

Deutschland, Großbritannien
Quarantine: Intergenerationaler Austausch gegen soziale Spaltung
In Chemnitz und Manchester (Großbritannien), Partnerstädte seit 1983, haben wirtschaftliche, politische und kulturelle Unterschiede zu intergenerationellen sozialen Spaltungen geführt. Diese Spaltungen resultieren auch aus einem Mangel an Möglichkeiten sich zu begegnen und auszutauschen. Das vertieft Missverständnisse und verhärtet Ideologien. Durch Aufführungen, Dialogangebote und kulturellen Austausch zielt unser Förderprojekt The Questions von Quarantine in Zusammenarbeit mit ASA-FF darauf ab, diese Spaltungen sowohl lokal als auch international anzugehen. Das dreiteilige Projekt fördert in beiden Städten Begegnungen zwischen den Generationen und ist Teil des Programms Chemnitz 2025: Kulturhauptstadt Europas. Mehr über Quarantine.

Polen, Europa
ClientEarth: Gegen die Plastikverschmutzung
Plastik ist allgegenwärtig und schädigt von der Herstellung bis zur Entsorgung sowohl die Umwelt als auch unsere Gesundheit. Recycling wird häufig als Lösung für das Problem der Plastikverschmutzung dargestellt, doch das reicht bei weitem nicht aus. Tatsächlich werden nur 9 % aller jemals produzierten Kunststoffe recycelt. Aus diesem Grund setzt sich ClientEarth juristisch dafür ein, die irreführende Darstellung von Kunststoffrecycling als Allheilmittel zu beenden. Ziel ist es, das Bewusstsein für die problematischen Auswirkungen von Plastik zu schärfen und Verbraucher*innen zu ermöglichen, informierte Konsumentscheidungen zu treffen. In ihrem Kampf gegen Greenwashing wollen sie außerdem sicherstellen, dass Unternehmen für ihre leeren Versprechen zur Rechenschaft gezogen werden. Mehr über ClientEarth.

Bosnien und Herzegowina, Serbien, Westbalkan
Heartefact: Erinnern an die, die fort sind
Die Gesellschaften des westlichen Balkans und die internationalen Strafgerichtshöfe haben vielerorts keinen gemeinsamen historischen Konsens erreicht. Unser Förderprojekt mit der Foundation Heartefact Fund geht daher neue Wege, um sich dem schwierigen Erbe der Vergangenheit zu stellen. Ziel ist es, einen Rahmen für einen verantwortungsvollen Diskurs über die Kriegsverbrechen auf dem Balkan zu schaffen und dabei innovative Ansätze zu erproben. Das Projekt bringt Theatermacher*innen, Publikum und die Öffentlichkeit auf dem Westbalkan zusammen und fördert durch Theaterproduktionen, Gemeinschaftsarbeit und künstlerische Forschung einen intensiven Austausch über Erinnerungskultur und die Frage: Wie erinnern wir 30 Jahre nach dem Ende des Krieges in Bosnien und Herzegowina an die, die fort sind. Mehr über Heartefact.
„Wir befähigen die Gemeinschaften in Bosnien und Herzegowina und Serbien, sich mit ihrem schmerzhaften historischen Erbe auseinanderzusetzen und fördern den Dialog über die, die fort sind.“

Belgien, Deutschland, Europäische Union
ARCH+: Die Bauwende und die Neuverhandlung des öffentlichen Raumes
Die Baubranche ist einer der zentralen Treiber der Klimakrise. Zugleich sind Räume für Wohnen und Kultur für viele nicht mehr erschwinglich. Vor diesem Hintergrund hebt das Projekt der Berliner Zeitschrift für Architektur und Urbanismus Arch+ das soziale und ökologische Potenzial hervor, das in der Um- und Weiternutzung bestehender Bauten und der Neuverhandlung öffentlicher Räume steckt. Das performative Veranstaltungsprogramm reagiert damit auf den klimaschädlichen und spekulativen Umgang mit unserer gebauten Umwelt und trägt es gleichzeitig auf die europäische Ebene. Das Projekt ist eine Kooperation von ARCH+, HouseEurope!, CIVA, JustizzentrumErhalten/ AbbrechenAbbrechen, und dem PATHOS theater sowie der Hans Sauer Stiftung. Mehr über ARCH+.

Europa
European Climate Helpdesk: Klimaschutz durch Transparenz stärken
Was haben Lobbyist*innen mit der EU-Kommission besprochen? Was versprach die brandenburgische Regierung Tesla? Wie viel Wasser verbraucht der Tagebau Jänschwalde? Der Zugang zu Informationen in der Klimapolitik ist entscheidend im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise. Dennoch fehlt es vielen europäischen Regierungen an Transparenz. Deshalb haben FragDenStaat und Green Legal Impact den European Climate Helpdesk ins Leben gerufen. Sie unterstützen bei Informationsanfragen, strategischen Klagen und bieten Aktivist*innen Ressourcen, um Informationsrechte in ihren Klimakampagnen zu nutzen. Mehr über FragDenStaat.







