Eine unübersehbare Nachfrage nach Kultur
Und doch: Die Kulturszene der Ukraine blüht. Sie experimentiert mit neuen Formen und Techniken und die Menschen wollen diese sehen. Künstler*innen reagieren schnell auf die Realitäten des Krieges: Raketentrümmer werden zu Musikinstrumenten oder Kunstinstallationen. Musiktheater thematisiert Krieg und globale Umweltzerstörung durch experimentelle, multidimensionale Erzählungen (wie „GAIA-24. Opera del Mondo“ von Opera Aperta). Theatermacher*innen wie Olena Apchel, die derzeit in den Streitkräften der Ukraine dient, sehen ihre Kunst als Beitrag zur Dekolonisierung und zum Widerstand gegen das russische Regime. Nur wenige Tage nach unserem Besuch feierte das „Theatre of Veterans“, eine Initiative für Kriegsveteran*innen, seine neueste Premiere. Wir hatten das Glück, eine Probe mitzuerleben.
Im dritten Jahr der russischen Großinvasion weigert sich das kulturelle Leben der Ukraine, stillzustehen. Es leistet Widerstand, passt sich an und schafft Bedeutung. Wie es die ehemalige Allianz-Foundation-Fellow und Kuratorin Alona Karavai ausdrückte: „Kunst kann uns nicht retten. Wir arbeiten solidarisch und es gibt viel Energie. Aber lasst uns das nicht romantisieren. Nach dem Krieg wird es langweilig. Ich hätte mir ein langweiligeres Leben gewünscht.“