JIVE Klima: die Live-Journalismus-Show Premiere

Am Dienstag, 21. November, feierte eine Live-Journalismus-Show Premiere, die für Deutschland absolut neuartig war: “JIVE Klima” lockte 300 Zuschauende in den großen Saal des Babylon in Berlin-Mitte. Und diese erlebten einen Abend, der Grenzen sprengte. Natürlich nur symbolisch - aber dafür gleich mehrere!

JIVE climate opening speech

JIVE climate opening speech in the Cinema Theater Babylon Berlin © Jörg Farys.

Projektbeschreibung

JIVE Klima

Journalist*innen lösungsorientierte Geschichten für eine klimafreundlichere Stadtentwicklung. Die Geschichten wurden durch künstlerische Einlagen miteinander verwoben. Veranstalter sind das Recherchezentrum CORRECTIV und die Headliner gUG. Mehr Informationen zum Projekt.

Zu allererst sprengten die Veranstalter vom neuen, gemeinnützigen Unternehmen “Headliner” die imaginäre Grenze zwischen Journalist:innen und dem Publikum. Vielfach ist ja von einer Vertrauenskrise der Medien die Rede. Live-Journalismus liefert dafür Lösungen. Eine internationale Studie aus Finnland hat gezeigt: Es bringt die größtmögliche Glaubwürdigkeit, eine Nachricht direkt aus dem Mund des Journalisten zu hören. So wie im Babylon: Die Show versammelte acht Geschichten aus sechs europäischen Ländern (Deutschland, Schweiz, Niederlande, Dänemark, Finnland und Spanien), vorgetragen von neun Reporter:innen. Für viele von ihnen war es der erste Auftritt auf so einer großen Bühne. Allen lagen die recherchierten Themen besonders am Herzen.  

Für CORRECTIV als journalistischer Kooperationspartner war die Produktion ein neuer Beweis dafür, wie mehr Nähe zum Publikum hergestellt werden kann. Das Recherchezentrum hatte zuvor auch schon mit anderen medialen Formen wie Comics oder Ausstellungen gute Erfahrungen gesammelt.  

Die zweite Grenze, die an dem Abend gesprengt wurde, war diejenige zwischen Journalismus und Kultur. Der Show-Name JIVE ist ein Kofferwort aus Journalismus und Live. Und gleichzeitig ruft er Assoziationen zum Tanz hervor. Wenn Journalist:innen auf Bühnen gehen - was sie bisher ja viel zu selten tun -, denken sie vor allem an Worte. Sie halten einen Vortrag, zeichnen einen Podcast auf, führen Gespräche.  

Dabei gab es doch früher das schöne vor-rundfunkliche Ritual, Geschichten noch im Beisein echter Musiker zu erzählen. Für die Show-Produzenten war es daher besonders erfreulich, The Improvising Symphony Orchestra Stegreif aus Berlin für eine Kooperation gewinnen zu können. Seit einigen Jahren revolutioniert das Orchester das klassische Konzert: ohne Noten, ohne Dirigent:in, ohne Stühle - freie Bearbeitungen über sinfonische Musik. Stegreif versteht sich als gesellschaftlicher Akteur und hat sich schon künstlerisch mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung auseinandergesetzt. Das Konzept, Musik live mit Journalismus zu verschmelzen, stärkt diesen Aspekt des Selbstverständnisses essenziell. Sie waren daher gerne mit einem Quintett dabei.

Damit nicht genug: Die dritte Grenze, die vor den Show-Produzenten nicht sicher war, verläuft zwischen globaler Erwärmung und gesellschaftlichem Klima. Im Climate Cultures Call hatte die Allianz Foundation vor einem Jahr dazu aufgerufen, neue Erzählungen zu schaffen, die die Klimakrise bekämpfen und dabei soziale und kulturelle Perspektiven einbeziehen. Dies gelang bei “JIVE Klima” mit Storys über konstruktive Lösungen, wie Städte dem Klimawandel begegnen - von Bochum bis Barcelona. Es wurden also obendrein auch europäische Grenzen eingerissen, die sonst zurzeit eher wieder errichtet werden. Das beste Mittel dazu: Kommunikation und Austausch. Deshalb konnte das Publikum auch mit den Vortragenden ins Gespräch kommen und sich auf einem Marktplatz weiterbilden. Dies war sowohl während der Pause als auch nach der Show im Foyer möglich und wurde rege genutzt.  

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Premiere von “JIVE Klima” ein grenzenloses Vergnügen war. Das Video mit einigen starken Momenten der Show vermittelt davon einen Eindruck. Wer einmal persönlich live dabei sein möchte, kann ab dem kommenden Jahr hier mehr erfahren.

Fotos & Video

Audience in the Babylon Berlin Cinema Theater

Das Publikum im Babylon in Berlin genoss die Live-Journalismus-Show © Jörg Farys.

A team of two journalists performs on stage

Samuel Hufschmid & Sven Niederhäuser: Ein 4-Augen-Rap über das Schweizer Phänomen der Einstellhalle alias Parkplatz. Und ein ermutigender Arbeitsbericht darüber, wie Crowdrecherchen zu klimaschonender Stadtentwicklung beitragen können © Jörg Farys.

Members of the orchestra Stegreif are performing during the event.

Die Band Stegreif begleitete das Event musikalisch © Jörg Farys.

The jounralist Greta Taubert during her performance

Die Journalistin Greta Taubert präsentierte eine Water-Road-Show einer Utopie-Testerin © Jörg Farys.

Two musicians of Stegreif perform on a lodge during the event

Bandmitglieder von Stegreif: ein Improvising Symphony Orchestra © Jörg Farys.

A team member of Headliner during the vocational training before the event

Christine Liehr ist Teil der Headliners, des Non-Profit-Unternehmens hinter JIVE Klima © Jörg Farys.

The audience during JIVE climate

Rund 300 Besucher*innen strömten zur Premiere von JIVE Klima © Jörg Farys.

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